Abschied nehmen

Sie sind wieder zu Hause – ohne Ihr Kind. Eine Zeit im Krankenhaus oder bei einem Arzt liegt hinter Ihnen und geblieben ist nichts als Leere und Fassungslosigkeit. Sie wollen nichts sehen und hören, nur Weinen und Ruhe. 

Das Fernsehen nervt Sie, der ganz normale Alltag scheint ganz weit weg. Draußen sein, Lebensmittel einkaufen – all das scheint unerträglich und nicht machbar. 

Die ersten Tage und Wochen sind hart. Der Gedanke an Ihr Kind ist allgegenwärtig. Glückliche Familien können Sie nicht ertragen. Das ist vollkommen normal. 

Genauso normal ist es, dass die Trauer Sie komplett einnimmt: Sie sind müde, antriebslos, können keine Freude empfinden. Alles ist anstrengend. 

Delegieren Sie alles, was Sie nicht schaffen. Freunde und Familie sehen das in der Regel nicht als Belastung, sondern sind froh, etwas machen zu können. Nutzen Sie die Zeit als Paar oder Familie zum Abschied nehmen.

Ich will etwas für mein Kind tun

Was jetzt kommt, ist in jeder Situation ein wenig anders. Vielleicht hatten Sie eine Fehlgeburt und Ausschabung, vielleicht haben Sie Ihr Kind geboren, vielleicht hat es auch einige Tage gelebt. Oder Ihnen steht eine Trauerfeier bevor, eine Beerdigung vielleicht oder eine andere Form der Bestattung. Hier gibt es kein richtig oder falsch, wählen Sie das was Ihnen richtig scheint.

Viele haben auch den Wunsch, etwas für das Kind zu tun. Noch etwas mitzugeben und zu zeigen, wie sehr man sich gefreut hat. Doch das ist auch ein wichtiger Schritt für Sie alleine und als Familie. Es gibt einem ein gutes Gefühl, es beteiligt vielleicht sogar Geschwisterkinder oder auch Großeltern und schafft die Grundlage für eine gute Verarbeitung und Gespräche. 

Was Sie machen ist auch wieder so individuell wie Sie und Ihre Situation. Hier aber mal ein paar Ideen und Anregungen.

Rituale zum Abschied nehmen

  • Schreiben Sie einen Brief. Schreiben hilft, sich selbst zu sortieren und Ungesagtes in Worte zu fassen.
  • Besorgen oder gestalten Sie Dinge (gemalte Bilder, Stofftiere, Spielzeug) und geben Sie diese Ihrem Kind mit
  • Zünden Sie Kerzen an (vielleicht wollen Sie auch eine Erinnerungskerze kaufen oder gestalten)
  • Im Falle einer Beerdigung: Gestalten Sie den Sarg / Urne oder das Kreuz (das geht auch gut gemeinsam mit Geschwisterkindern)
  • Gestalten Sie etwas, das Sie Ihrem Kind mitgeben (ggfs. auch zweifach und behalten Sie das Gegenstück als Erinnerung)
  • Planen Sie eine Trauerfeier oder vielleicht auch einfach einen Nachmittag nur mit Menschen, die mit Ihnen trauern
  • Reden Sie mit Ihren Liebsten über Ihr Kind und das, was Sie erlebt haben

Diese Tage sind sehr wichtig und helfen Ihnen und Ihrer Familie langfristig. Wie immer, tun Sie was Sie anspricht und was gut für Sie ist. 

Und wenn Sie gar nichts tun können oder wollen, ist das auch OK. Es sagt nichts über Ihre Gefühle, Ihre Trauer oder Ihre Liebe aus. Es ist einfach das, was Sie brauchen.